HAYEK Colloquium Obergurgl 2012:

Am vergangenen Freitag stand das HAYEK Colloquium Obergurgl ganz im Zeichen der Finanzwirtschaft. Der Vorstandsvorsitzende der Bank Austria, Willibald Cernko, und der Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, Wilhelm Molterer, stießen dabei mit ihren Vorträgen auf wenig Gegenliebe seitens der versammelten liberalen Wirtschaftswissenschaftler der Hayek-Gesellschaft. Beim abendlichen Bank Austria-Empfang auf der Hohe Mut Alm hinterließ der Chefökonom des Geldinstitutes, Stefan Bruckbauer, mit einem geradezu flammenden Plädoyer für Europa bleibenden Eindruck.

Nach dem, witterungsbedingt, kühlen Beginn am Donnerstag erlebte das HAYEK Colloquium Obergurgl 2012 am Freitag erneut hitzige Debatten zur aktuellen Wirtschaftslage. Die Gastreferenten des Tages kamen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Bank Austria, Willibald Cernko, und dem Vizepräsidenten der Europäischen Investitionsbank (EIB), Wilhelm Molterer, aus dem Bereich der Finanzwirtschaft. Molterer analysierte in seinem Vortrag die Gründe für Finanz- und Wirtschaftskrise und stellte klar, dass allen Schwierigkeiten zum Trotz das Modell Europa mit seiner Gemeinschaftswährung für ihn nicht anzuzweifeln seien: „Wir haben es mit einer systemischen Krise zu tun. Das ist keineswegs eine Krise, die kurzfristig ist, sondern eine längerfristige Perspektive der Schwierigkeit. Und es ist auf jeden Fall klar, dass die Rückkehr zum Status quo ante, keine Alternative ist. Daher müssen die Antworten auf die Krise systematisch sein.“ Diese Antworten glaubt der ehemalige Vizekanzler und Finanzminister in einer weiteren Stärkung der EU erkannt zu haben. Molterer trat dafür ein, die Fiskalunion weiter zu stärken und gleichzeitig die Steuerhoheit der Mitgliedstaaten weiter einzuschränken. Der europäische Binnenmarkt stehe für ihn nicht zur Diskussion, so Molterer. Im Gegenteil: Der EIB-Vizepräsident forderte ein europäisches Pendant zum Welt-Währungsfond, eine Stärkung der Zentralbank nach Vorbild der US-Notenbank und er verteidigte den aktuellen Kurs der EU-Kommission. Für die versammelten wirtschaftsliberalen Denker der Friedrich A. v. Hayek-Gesellschaft Berlin waren Molterers Ausführungen ein rotes Tuch, repräsentierte er doch genau jene Europäische Politik, die ihren Prinzipien von Freiheit und freiem Markt diametral entgegensetzt ist.

Cernko warnt vor „Regulierungstsunami“

Auch der nächste Redner, Bank Austria Vorstandsvorsitzender Willibald Cernko, stieß mit seinen Ausführungen auf wenig Verständnis bei den Hayek-Anhängern. Seine Warnung vor einem drohenden „Regulierungstsunami“ seitens der Finanzmarktaufsicht war zwar noch ganz im Sinne der Liberalen. Cernko wies in Zusammenhang mit der zunehmenden Regulierung des Finanzmarktes mahnend darauf hin, dass das Risiko bei Anlagegeschäften nicht allein den Banken aufgebürdet werden könne, sondern auch für Anleger eine gewisse Eigenverantwortung bestehe. Doch sein Plan, wie man in der Finanzbranche durch die Bankenunion wieder Vertrauen aufbauen könne, stieß auf Ablehnung. Cernko fordert in zeitlich aufeinander folgendem Ablauf eine einheitliche Finanzmarktaufsicht und gleiche Spielregeln für alle in der EU. Dann müsse man den Mut aufbringen, auch nicht funktionierende Elemente, die keinen volkswirtschaftlichen Nutzen bringen, aufzugeben und zu entfernen. Und schließlich müsse man für die Einlagensicherung sorgen. Wobei er selbst einschränkte: „Dieses Thema werden wir erst in Jahren diskutieren. Es heute schon zu thematisieren, ist an den Haaren herbeigezogen.“ Und Cernko forderte weniger Emotionalität in der Debatte um die Rolle der Banken: „Es muss auch klar sein, dass Banken das Recht haben, nach Gewinnen zu streben.“ Wobei er ebenfalls klarstellte, dass Banken als unverzichtbarer Teil unseres Wirtschaftssystems eine Aufgabe zu erfüllen haben: „Banken tragen Verantwortung im marktwirtschaftlichen System – dazu stehe ich als Vorsitzender einer führenden Bank.“ Ins selbe Horn wie die beiden Referenten des Nachmittages stieß der Tischredner beim abendlichen Empfang auf der Hohe Mut Alm, Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer. Er legte sogar noch ein Scherflein nach und hielt ein flammendes Plädoyer für die Idee des vereinten Europas und die Währungsunion. Ein nüchterner Blick auf die Zahlen beweise, so der Tenor von Bruckbauers Rede, dass die EU letztlich sehr solide durch die Krise steuert: „Wir sehen also, der Maastricht-Vertrag hat sehr wohl funktioniert.“ Das größte Manko Europas verortet auch Bruckbauer im Fehlen einer starken Zentralbank.

Denkplatz Obergurgl wurde erfolgreich wiederbelebt

Wie schon am Eröffnungstag sorgten die Reden der Referenten für viel Diskussionsstoff unter den Colloquiums-Teilnehmern. Einig war man sich jedoch darin, dass angesichts der hochkarätigen Gäste, wie dem tschechischen Staatsoberhaupt Václav Klaus, dem Medienphilosophen Norbert Bolz oder den bereits genannten Finanzexperten Molterer und Cernko, die Wiederbelebung des Denkplatzes Obergurgl im Sinne von Friedrich August von Hayek gelungen ist. Klaus Schredelseker von der Universität Innsbruck, die im kommenden Jahr zusammen mit dem Management Center Innsbruck als inhaltlicher Partner neben der Hayek-Gesellschaft einsteigen will, attestiert der Veranstaltung eine große Zukunft: „Wobei wir inhaltlich etwas mehr von der Person Hayeks abrücken und der gesamten österreichischen Schule der Nationalökonomie mehr Raum zuerkennen sollten.“ Für den Gastgeber des HAYEK Colloquiums, Lukas Scheiber vom Hotel „Edelweiss & Gurgl“, ist der Fortbestand der Veranstaltung ebenfalls gesichert: „Ich darf bereits den Termin für das HAYEK Colloquium Obergurgl 2013 bekanntgeben, das von 12. bis 14. September wieder hier im Ötztal stattfinden wird.“

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